Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung

(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Durch Musik heilen - durch Forschung verstehen - eine gesunde Verbindung

Cochlea-Implantat

Hörenlernen durch Musiktherapie - Musiktherapeutisches Training für gehörlose und schwerhörige Menschen mit Cochlea-Implantat

Ausgangssituation

Musiktheraphie DZM Heidelberg

Ein Cochlea-Implantat (CI) ist eine Hörprothese für hochgradig schwerhörige und gehörlose Menschen, denen herkömmliche Hörgeräte wenig oder gar keinen Nutzen mehr bringen. CIs wandeln Schall in elektrische Impulse um, durch die der Hörnerv in der Hörschnecke (lat: Cochlea) stimuliert wird.

Das operative Einsetzen eines solchen Implantats und die nachfolgende Erstanpassung des Sprachprozessors ist eine komplizierte Prozedur. Danach muss das Hören und Sprechen mit dem CI in einem mühsamen Training neu erlernet werden. Die sprachlichen Informationen, die das CI an das Gehirn weiterleitet, sind lückenhaft und müssen mit Hilfe von Kombinieren und Assoziieren ergänzt werden. Hören wird zu einer harten geistigen Arbeit, die sehr viel Konzentration erfordert. So ist trotz aller technischen Möglichkeiten eine vollständige Wiederherstellung der Kommunikation sehr schwierig, vor allem bei Menschen, die sehr früh und sehr lange taub waren.

Besonders das Musikhören mit dem CI ist für die meisten Patienten zunächst sehr enttäuschend. Die Elektroden sind optimal auf das Verarbeiten von Sprache eingestellt, das differenzierte Wahrnehmen von musikalischen Parametern wie z.B. Tonhöhe und Klangfarbe hingegen ist in der CI-Anpassung sekundär.

Aktuelle Studien (Drennan u. Rubinstein 2008) haben jedoch gezeigt, dass die Fähigkeit, Musik wahrzunehmen und zu "verstehen", auch die sprachlichen Kommunikationsfähigkeiten erheblich verbessern kann.

 

Methodischer Ansatz

Ziel des musiktherapeutischen Konzepts ist es einerseits, CI-Träger wieder an das Hören von Musik über das CI heranzuführen. Das Training von musikalischen Parametern wie Rhythmus, Tonhöhe und Klangfarbe kann aufgrund der Parallelität von sprachlichen und musikalischen Parametern zudem auch Auswirkungen auf die Sprachwahrnehmung haben. Insbesondere Situationen wie das Erkennen der Sprachprosodie sowie Sprache bei Hintergrundgeräuschen werden auf eher spielerische Art in der Musiktherapie trainiert.

 

Pilotstudie „Hörenlernen durch Musiktherapie“ ¹(Förderung: MED-EL Deutschland, Sparkasse Heidelberg, Heinrich-Vetter-Stiftung, SRH-Stiftung)

In einem Pilotprojekt wurde 2011/2012 am DZM in Zusammenarbeit mit der Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg ein manualisiertes musiktherapeutisches Konzept für CI-Träger entwickelt. 12 einseitig implantierte CI-Träger nahmen an der Therapie teil und durchliefen jeweils vor und nach der Therapie eine ausführliche Diagnostik. Erfreulicherweise verbesserte sich die subjektive Klangqualität mit dem CI von vor zu nach der Therapie deutlich, ebenso die Wahrnehmung von musikalischen Parametern insbesondere der Klangfarbe, d.h. das Erkennen unterschiedlicher Instrumente. Die Zufriedenheit der CI-Träger mit der Effektivität der Therapie war sehr hoch.

 

CI-Rehabilitationszentrum Heidelberg

Seit Januar 2014 ist die Heidelberger Musiktherapie für CI-Träger in der ambulanten Rehabilitation der Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg inbegriffen. Nach der CI-Operation und Erstanpassung des Sprachprozessors erwartet die CI-Träger ein umfangreiches, interdisziplinäres Reha-Angebot, das auch die Musiktherapie beinhaltet und von den Kranken- bzw. Rentenkassen getragen wird.

 

Aktive CI-Musikgruppe (Förderung: MED-EL Deutschland, LBBW)

Im Mai 2014 wurde ein Ensemble gegründet, in der CI-Träger selbst musizieren können – ganz unabhängig von musikalischen Vorerfahrungen. Gespielt werden kann auf verschiedenen Instrumenten wie E-Piano, Gitarren und Percussion-Instrumenten in abwechslungsreichen Übungen zu Rhythmus und Improvisation sowie in Arrangements von bekannten Liedern und Songs.

Hauptprojekt „Musikgenuss trotz Taubheit“ (Förderung: MED-EL Deutschland, Heinrich-Vetter-Stiftung)

Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse aus der Pilotstudie führt das DZM seit Januar 2014 eine umfassende Studie durch, in der die Heidelberger Musiktherapie für CI-Träger in der Frührehabilitation evaluiert wird. Insgesamt 30 CI-Träger werden Diagnostik und Therapie in unterschiedlicher Reihenfolge durchlaufen. Eine nicht implantierte Kontrollgruppe nimmt ebenfalls an den Testverfahren als Vergleichsgruppe teil.

 

Probandenaufruf:


Personen, die sich für die Studie interessieren oder teilnehmen möchten, wenden sich gerne an die Betreuerin des Projekts

Dipl.-Psych. Elisabeth Hutter

Tel: 06221/7963961

 

Kooperierende Institutionen

  • HNO-Klinik, Universität Heidelberg
  • Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
  • Theater der Stadt Heidelberg
  • Künstlerinnen und Künstler aus der Metropolregion Heidelberg