Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung

(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Durch Musik heilen - durch Forschung verstehen - eine gesunde Verbindung

Musikalische Emotionserkennung - Entwicklung und psychometrische Überprüfung eines musikalischen Emotionserkennungstests

Musikalische Emotionserkennung - DZM

Ausgangssituation

Die emotionsinduzierende Wirkung von Musik ist ein allgemein bekanntes Phänomen. Musik wurde in verschiedenen Kulturen seit der Antike gezielt eingesetzt, um Gefühlszustände auszudrücken und zu induzieren. Musikalische Kommunikation von Emotionen scheint unabhängig vom kulturellen Kontext erfolgreich zu sein (Balkwill und Thompson, 1999; Krumhansl, 1993; Kratus, 1993).

Ein Grundkonzept der Emotionsforschung sind die sogenannten Basisemotionen (Freude, Ärger, Trauer, Ekel, Überraschung, Angst). Im Bereich der mimischen Emotionserkennung existiert das objektive und reliable visuelle Testverfahren FEEL (= facially expressed emotion labeling) (Kessler, 2002). In Anlehnung daran wurde eine erste Version eines Testverfahren zur musikalischen Emotionserkennung (EMu: Emotionserkennung in der Musik) entwickelt. Den Probanden werden kurze improvisierte Musikstücke dargeboten und müssen anschließend den Emotionen zugeordnet werden.

Ziel des Projekts

Ziel ist die Vermittlung eines Spontaneindrucks der Emotionen. Erste Studien zeigten, dass die musikalische Emotionserkennung bei deutschen Probanden relativ zuverlässig möglich ist (Busch et al. 2003, Argstatter et al. 2004).

Kooperierende Institutionen

» Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung

» Universität Pelita Harapan, Indonesien

» Universität Hanyang, Seoul, Südkorea

Aktueller Stand

Bisher wurden Daten in Deutschland, Brasilien, Indonesien und Südkorea erhoben.

In der ersten interkulturellen Ausweitung dieser Studie in Indonesien ergab sich eine signifikant schlechtere Emotionserkennungsleistung der indonesischen gegenüber den deutschen Probanden bei der Verwendung der westeuropäisch geprägten Musikbeispiele – ein erster Beleg für eine kulturspezifische Emotionserkennung.

Die ausgehend von den ersten Ergebnissen formulierte Hypothese, dass die musikalische Emotionserkennung – anders als die mimische Emotionserkennung – (inter-) kulturellen Einflüssen ebenso unterliegt wie dem Bildungsstand und der musikkulturellen Vorbildung, wurde daher im Jahr 2006 in zwei weiteren Studien in Korea bzw. Deutschland und Brasilien überprüft.

In Brasilien wurden über 200 Einwohner des Landes unterschiedlichster Herkunft, darunter auch abgeschieden lebende Indianerstämme, untersucht.

Insgesamt konnten alle Brasilianer, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Bildungsstand, signifikant weniger Beispiele den richtigen Emotionen zuordnen als die Versuchspersonen in Deutschland. Dennoch zeigten sich auch innerhalb der Brasilianer große Unterschiede, vor allem bezüglich der Bildung: alphabetisierte Probanden übertrafen Analphabeten in ihrer Erkennensleistung. Analphabeten waren zugleich diejenigen Probanden, die den geringsten Kontakt zu westeuropäischer Kultur und Musik hatten und deren Musikkultur sich gravierend von der Westeuropäischen unterscheidet.

Entsprechend der Testentwicklung in Deutschland wurde in Korea eine Parallelversion des Musikerkennungsverfahrens entwickelt. Zunächst wurden aus dem Repertoire der klassischen koreanischen Musik passende Musikbeispiele für jede Basisemotion ausgewählt. Anschließend improvisierten Musikstudenten des Fachbereichs für klassische koreanische Instrumente Musikbeispiele, die sich an den Beispielen der europäischen Studien anlehnten. Insgesamt 24 Beispiele, davon sechs als Probebeispiele, wurden zur koreanischen Testversion zusammengestellt.

Eine Probeuntersuchung mit 20 Studierenden der klassisch-koreanischen Musik an der Universität Hanyang in Seoul, Südkorea, zeigt eine sehr hohe Übereinstimmung von über 90 % bei der emotionalen Beurteilung der Beispiele.

Die Anwendung des koreanischen Tests in einer großen, nicht-musikalischen Gruppe von rund 400 Probanden erbrachte im Mittel einen Wert von 65 % richtig erkannter koreanischer Beispiele.

Die gleichen Personen mussten auch die europäischen Beispiele bewerten. Hier schnitten sie mit rund 53 % richtig zugeordneter Beispiele signifikant schlechter ab, als bei den koreanischen Beispielen und erkannten auch signifikant weniger Beispiele, als die deutsche Vergleichsgruppe.

Die umgekehrte Anwendung der koreanischen Beispiele mit deutschen Musiktherapiestudenten zeigt, dass die Koreaner bei den koreanischen Beispiele ähnlich überlegen sind, als umgekehrt bei den westeuropäischen Beispielen die Deutschen besser waren.

Die Erkennensleistung der Beispiele aus der eigenen Kultur ist somit relativ zuverlässig mit rund 66 % möglich, Beispiele einer anderen Kultur sind insgesamt schwerer zu erkennen. Die Grundemotionen „Trauer“ und „Freude“ werden kulturübergreifend am besten erkannt, bei „Ekel“ sind die koreanischen Beispiele den europäischen überlegen, bei den übrigen Emotionen ist kein einheitlicher Trend erkennbar.

Die nächsten Projektschritte bestehen darin, weitere Musikbeispiele einzuspielen, um eine noch bessere musikalische Darstellung der Emotionen zu erreichen.

Da die Erkennensleistung stark von der musikalischen Qualität der Einzelbeispiele abhängt, wurden die bestehenden Musikstücke in Bezug auf ihre musikalischen Parameter analysiert.

Die Daten aus Norwegen liegen noch nicht vor.

Testen Sie sich selbst! Unter https://www.soscisurvey.de/emu/ finden Sie einen interaktiven Test!

Damit Sie sich vorstellen können, wie die Untersuchungen ablaufen, haben wir Musikbeispiele für Sie, die Sie anhören können. Anhand der Beispiele können Sie versuchen herauszufinden, welche Emotionen sich dahinter verbergen.

EMU Test des DZM Heidelberg

Probebeispiele

Musikbeispiele

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