Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung

(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Durch Musik heilen - durch Forschung verstehen - eine gesunde Verbindung

Studie zur Überprüfung neurowissenschaftlich begründbarer Wirkungsfaktoren von Musiktherapie bei Tinnitus

Wirkfaktoren Tinnitus DZM Heidelberg

Ausgangssituation

» Die Ergebnisse der Studien zur musiktherapeutischen Behandlung von chronischen-tonalem Tinnitus zeigen eine relevante Reduktion der Symptome bei rund 80 % der behandelten Patienten. Eine Nachuntersuchung nach sechs Monaten belegt, dass diese Ergebnisse sehr stabil sind.

» Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass Tinnitus nicht nur das Symptom einer veränderten Hörorganisation sein kann. Vielmehr resultieren die „Ohrgeräusche“ den vorliegenden Resultaten zufolge aus einem komplexen Mechanismus, der in vielfältiger Weise auch nicht-auditive Gehirnstrukturen im limbischen System und in Aufmerksamkeitsarealen beinhaltet.

» Die Untersuchung von spezifischen Wirkfaktoren ist ein zentrales Anliegen der gegenwärtigen Psychotherapieforschung im Allgemeinen und der Musiktherapieforschung im Besonderen.

Fragestellung

Welche Module der musiktherapeutischen Behandlung nach dem "Heidelberger Modell" bewirken in welchem Ausmaß die nachgewiesenen Behandlungserfolge?

Kooperierende Institutionen

Forschungsmethodik

» Planung: Vergleich von fünf Interventionsgruppen (entsprechend der Therapiemodule"Counselling", "Tinnitus-Desensibilisierung", "Resonanzübung", "Neuroauditive Kortexreprogrammierung") mit insgesamt n=80 Patienten

» Erhebungsinstrumente: psychologische Korrelate (Tinnitus-Fragebogen), neuroanatomische und funktionelle Korrelate (funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT))

Ergebnisse

»Überprüfung der Umsetzbarkeit des Designs in einer Machbarkeitsstudie, d.h. zunächst wurde eine Behandlung von je n=3 Probanden ausschließlich mit einer Hauptintervention und psychoedukativem Counselling durchgeführt

      » Dekonditionierungsgruppe = rezeptive Anteile der Musiktherapie

      » Kortikale Reorganisations-Gruppe = neuroauditive Kortex-Reprogrammierung

      » Resonanz-Gruppe = Resonanzübung

 

» Unmittelbar nach der Therapie zufriedenstellende Reduktion der Symptomatik in allen Gruppen, jedoch keine weitere Verbesserung mehr nach 3 Monaten (Symptome konstant oder ansteigend)

» Eine eindeutige Überlegenheit eines Therapiemoduls ist nicht erkennbar, nur ein Zusammenwirken aller drei Hauptinterventionen der Therapie ist Erfolg versprechend

Aktueller Stand

» Studie ist abgeschlossen

» Extrem schwierige Probandenakquise (Verteilung der Probanden auf verschiedene Gruppen muss vergleichbar sein!)

» MRT-Auswertung aufgrund des zu geringen Samples nicht möglich

» Aus ethischen Gründen wurde die Studie nach der Pilotphase nicht weitergeführt

» Alle Patienten konnten an einer vollständigen Therapie teilnehmen (von einem Probanden in Anspruch genommen)